Wie man die Wände einer rund gestrickten Tasche hochführt, ohne sie zu verformen
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Du häkelst die Basis, alles läuft perfekt … und sobald du beginnst, die Wände hochzuziehen, weitet sich die Tasche, bildet Wellen, „klappt zusammen“ oder bekommt einen merkwürdigen Winkel. Keine Sorge: Du machst es nicht falsch. Dies ist einer der empfindlichsten Bereiche einer rund gehäkelten Tasche, denn du gehst von einer Fläche (der Basis) zu einem Volumen (den Wänden) über, und dieser Wechsel erfordert eine sehr kontrollierte Technik und Spannung.
In diesem Artikel zeige ich dir mehrere Methoden (und Profi-Tricks), um die Wände ohne Verformung hochzuziehen, und wähle dabei die Option, die am besten zu deinem Material, deiner Masche und dem gewünschten Ergebnis passt.
Inhaltsverzeichnis
- Warum sich die Wände beim Hochziehen verformen
- Vor dem Hochziehen: 3 schnelle Überprüfungen
- Methode 1: Den Winkel erzeugen (BLO / hinteres Maschenglied)
- Methode 2: „Wendepunkt“ mit Kettmaschen oder einer Übergangsrunde
- Methode 3: An der Kante entlang nach oben häkeln (geradere Wand)
- Typische Fehler und wie du sie korrigierst
- Welche Methode du je nach Material und Maschenart wählen solltest
- Häufig gestellte Fragen
- Empfohlene Materialien
Warum sich die Wände beim Hochziehen verformen
Wenn du eine Basis in Runden häkelst, hast du Maschen zugenommen, damit der Kreis/das Oval flach bleibt. Wenn du mit den Wänden beginnst:
- du unabsichtlich weiter zunimmst (durch einen Fehler oder weil du Maschen verwechselst), weitet sich die Basis und bildet Wellen;
- deine Spannung zu locker ist, gibt die Wand keinen Halt und hängt herunter;
- du den Übergang zwischen Basis und Wand nicht markierst, versucht das Häkelstück flach zu bleiben und der „Hut“-Effekt entsteht;
- dein Material elastisch ist, wirkt sich jede Änderung der Handhaltung oder Masche stark auf die Tasche aus.
Der Schlüssel ist einfach: einen sauberen Winkel erzeugen und die Maschenzahl während der ersten Wandrunden konstant halten.
Vor dem Hochziehen: 3 schnelle Überprüfungen
- Zähle die Maschen der letzten Basisrunde und notiere die Anzahl. Diese Zahl sollte (normalerweise) beim Beginn der Wand beibehalten werden.
- Forme die Basis mit der Hand: Lege sie auf einen Tisch und „schiebe“ den Rand vorsichtig nach oben. Wenn sie bereits flach liegend Wellen bildet, hat die Basis zu viele Maschen oder die Spannung ist zu locker.
- Markiere den Rundenanfang mit einem Maschenmarkierer. Viele Verformungen entstehen dadurch, dass man den Anfang verliert und unbemerkt Zunahmen häkelt.

Methode 1: Den Winkel erzeugen (BLO / hinteres Maschenglied)
Dies ist die meistverwendete Methode, damit sich die Basis natürlich „verdoppelt“ und die Wand gerade nach oben wächst. Dabei wird die erste Wandrunde nur durch das hintere Maschenglied (BLO) gehäkelt. Dadurch entsteht außen eine „Linie“, die den Übergang zwischen Basis und Wand markiert.
So geht’s (Schritt für Schritt)
- Beende die letzte Runde der Basis und überprüfe die Maschenzahl.
- In der nächsten Runde (der ersten Wandrunde) deine Masche (feste Masche, zentrierte feste Masche, halbes Stäbchen …) nur durch das hintere Maschenglied jeder Masche häkeln.
- In den folgenden Runden wieder normal häkeln (durch beide Maschenglieder), dabei die gleiche Maschenzahl beibehalten.
Wann es am besten funktioniert
- Wenn du einen klaren Winkel und eine formschöne Wand möchtest.
- Wenn die Tasche ohne Futter oder mit mittlerer Stabilität gearbeitet wird (weil die Übergangslinie schön aussieht).
- Bei kompakten Maschen (feste Maschen, mittig eingestochene feste Maschen) und formstabilen Materialien.
Profi-Tipp
Wenn du bemerkst, dass sich die Kante beim Hochhäkeln öffnet, häkle 2 Runden hintereinander in BLO (nur bei sehr elastischen Materialien) und häkle danach normal weiter. Dadurch wird der Winkel „fixiert“.
Methode 2: „Wendepunkt“ mit Kettmaschen oder einer Übergangsrunde
Eine weitere Möglichkeit, Verformungen zu vermeiden, besteht darin, eine Übergangsrunde zu häkeln, die die Kante „fixiert“. Das ist nützlich, wenn dir BLO nicht gefällt oder deine Hauptmasche bereits Struktur erzeugt und du einen unauffälligeren Übergang bevorzugst.
Option A: 1 Runde Kettmaschen (in beide Maschenglieder)
- Häkle nach dem Fertigstellen des Bodens eine vollständige Runde Kettmaschen (ohne Zu- oder Abnahmen).
- Beginne danach mit deiner üblichen Masche mit den Wänden.
Vorteil: Verstärkt den Rand und markiert den Übergang mit einer sehr dezenten Linie.
Achtung: Kettmaschen ziehen das Werkstück zusammen. Halte deine Hand entspannt, damit sich der Umfang nicht verkleinert.
Option B: 1 „feste“ Runde mit sehr kompakten festen Maschen
Wenn du die Wände mit einer höheren Masche häkeln möchtest (halbes Stäbchen, Stäbchen), kann eine Übergangsrunde mit kompakten festen Maschen helfen, das Werkstück zu stabilisieren.
Methode 3: An der Kante entlang nach oben häkeln (geradere Wand)
Diese Methode ergibt eine sehr gerade und formstabile Wand. Sie wird häufig verwendet, wenn du eine Tasche mit „Kasten“-Profil möchtest (architektonischer geformt). Statt in die Maschen der letzten Runde zu häkeln, stützt du dich auf die Kante des Häkelstücks (die seitlichen Fäden), als würdest du die Wand „aufrichten“.
So wird es gemacht
- Beende den Boden.
- Führe die Häkelnadel in die Kante der Masche (den seitlichen Faden) ein und häkle eine feste Masche (oder die von dir verwendete Masche) rundherum, wobei du eine gleichmäßige Maschenzahl beibehältst.
- Häkle normal in Runden weiter.
Wichtig: Hier kann die Maschenzahl je nachdem variieren, wie du die Kante aufnimmst. Wenn du diese Methode verwendest, markiere am besten alle 10–20 Maschen und überprüfe, dass du nicht versehentlich zusätzliche Maschen einarbeitest.
Typische Fehler und wie du sie korrigierst
1) „Hut“-Effekt (wölbt sich nach außen)
- Ursache: Es sind zu viele Maschen vorhanden (unbeabsichtigte Zunahmen) oder die Spannung ist zu locker.
- Schnelle Korrektur: Raffle 1–2 Runden auf und wiederhole den Übergang (BLO oder Kettmasche), wobei du die Maschenzahl kontrollierst.
- Korrektur, wenn du schon weit fortgeschritten bist: Arbeite eine Runde mit sanften Abnahmen (zum Beispiel 1 Abnahme alle 12–16 Maschen) und häkle gerade weiter. Lieber wenige, gleichmäßig verteilte Abnahmen.
2) Die Seitenwand „zieht sich“ nach innen (sie wird zu eng)
- Ursache: Zu feste Spannung oder eine zu straff gearbeitete Kettmaschenrunde.
- Lösung: Wechsle zu einer etwas lockereren Masche (dieselbe Nadel, aber eine lockerere Handhaltung) oder lasse die Kettmaschenrunde weg.
3) Es entstehen „Spitzen“ oder ein unregelmäßiger Knick
- Ursache: Verschobener Rundenbeginn ohne Markierer oder eine unzuverlässige Maschenzählung.
- Lösung: Verwende einen Markierer für den Rundenbeginn und zähle alle 2–3 Runden. Bei einer großen Tasche markierst du zusätzlich alle 20 Maschen mit weiteren Markierern.
Welche Methode du je nach Material und Maschenart wählen solltest
- Wenn dein Material elastisch ist oder dazu neigt, sich zu „weiten“: Beginne die Seitenwand mit BLO (und falls nötig mit 2 BLO-Runden).
- Wenn du einen sehr dezenten Knick und einen verstärkten Rand möchtest: Verwende 1 Runde Kettmaschen als Übergang.
- Wenn du eine sehr gerade und strukturierte Form möchtest: Probiere, an der Kante entlang nach oben zu häkeln.
- Wenn du sehr kompakt häkelst (feste Maschen / Kettmaschen): BLO ist meist die sauberste Option.
- Wenn du mit höheren Maschen häkelst: Ziehe eine Übergangsrunde mit festen Maschen in Betracht, bevor du weitermachst.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich beim Hochhäkeln immer dieselbe Maschenzahl beibehalten?
Bei den meisten Taschen ja: Wenn du mit der Seitenwand beginnst, solltest du normalerweise keine Zunahmen machen. Später kannst du, wenn du die Form gestalten möchtest (Verbreiterung, Verengung, bombonera-artiger Boden …), Zunahmen oder Abnahmen arbeiten, aber erst, nachdem du den Knick stabilisiert hast.
Wie viele Runden sind beim Hochhäkeln „kritisch“?
Die ersten 2–4 Runden der Seitenwand. Wenn diese fest sitzen und der Winkel deutlich ausgeprägt ist, wächst die Tasche normalerweise gerade nach oben, ohne Überraschungen.
Was mache ich, wenn der Boden schon wellig ist, bevor ich nach oben häkle?
Dann liegt das Problem nicht in den Seitenwänden, sondern in den Zunahmen des Bodens. Die Lösung besteht darin, den Rhythmus der Zunahmen anzupassen (weniger Zunahmen) oder mit mehr Spannung zu häkeln, damit der Kreis/das Oval flach bleibt.
- Ein formstabiles, gleichmäßiges Material (die Wand bleibt dadurch besser in Form).
- Maschenmarkierer, um den Rundenbeginn und die Maschenzahl im Blick zu behalten.
- Eine feste Bodenplatte oder Innenverstärkung, wenn du einen „Kisten“-Effekt erzielen möchtest.
Letzter Tipp: Wenn du nur eine Änderung vornimmst, dann diese: Markiere den Knick (BLO oder Übergang) und zähle die Maschen, wenn du mit den Seitenwänden beginnst. Diese Kombination macht 80 % des Erfolgs aus.



